Chronik - Webseite OGV Alzenau 20200212

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Gründungsurkunde
Vereinschronik 1901 - 2001
 
Am 4. April 1901, so ist aus der Chronik zu entnehmen, wurde auf Anregung der Herren Bezirksamtman v. Stachelhausen und Assessor Dr. Wegele, der Lokal- und Obstbauverein Alzenau gegründet.
Erster Vorsitzender war Peter Anton Hufnagel.

Diese Männer hatten es sich zur Aufgabe gemacht, den Obstbau der ja in Unserer Heimat eine Haupteinnahmequelle war, weiter auszubauen und nutzbringender zu machen. In vielen Versammlungen, Vereinsfesten usw. wurde immer wieder der Wunsch von Rednern ausgesprochen, dass die Sitte des Pflanzens eines Baumes bei der Hochzeit oder bei der Geburt eines Kindes immer mehr Anhänger finden möge. Man empfahl nicht nur das pflanzen von Obstbäumen, sondern unterrichtete auch die Mitglieder in Versammlungen und Kursen über Schnitt, Düngung und Schädlingsbekämpfung, so wie das Lagern von 0bst.
lm Jahre 1909 übernahm Herr Peter Josef Trageser den Vorsitz des Vereins. Ein Mann voller Idealismus, der es verstand seinen Mitgliedern alles Wissenswerte über die Pflege der Obstbäume zu vermitteln. Der Erfolg blieb nicht aus. Bei der Generalversammlung im April 1914 regte man die Abhaltung eines 0bstmarkes in Alzenau an, denn zu dieser Zeit standen im Bezirk ca. 123 000 Obstbäume im Ertrag.
Die bitteren Ereignisse des 1. Weltkrieges machten allerdings so manchen Plan zunichte. In dieser Zeit empfahl die Vorstandschaft die verstärkte Anpflanzung von Frühgemüse und Kartoffeln, um die Ernährung der Bevölkerung zu verbessern. Auch alles brachliegende Gelände sollte bebaut werden.
Nach dem Kriege setzte sich Bürgermeister Pfaff für die Einstellung von Herrn Gold als Bezirksbaumwart ein. Zusammen mit dem Vorsitzenden Herrn Peter Josef Trageser folgte jetzt eine Zeit reger Vereinstätigkeit.
Jahre des Währungsverfalls kamen, sie gingen auch am 0bstbauverein nicht spurlos vorbei. Versammlungen wurden nur in dringenden Fällen abgehalten um die wichtigsten Vereinsangelegenheiten zu besprechen. Auch konnte der Verein seinen Mitgliedern keine Vorteile mehr bieten, da die Beiträge bis zum Einzug gegenstandslos waren. Es war eine Zeit wirtschaftlicher Not, nicht nur für den einzelnen, sondern auch für den Verein. Erst im Jahre 1924, nachdem wieder stabilere Geldverhältnisse herrschten, lebte auch die Vereinsarbeit wieder auf. Es wurde jetzt der Beschluss gefasst eine Obstkelter anzuschaffen, dazu leisteten die Mitglieder einen einmaligen Beitrag von 5.- DM und konnten so die Kelter ohne weitere Abgaben benutzen.
In der Generalversammlung vom 8. Februar 1925 wurde auf Antrag des Herrn Gold ein Gemeinde-0bstsortiment von Anbauwürdigen Sorten aufgestellt damit die vielen Lokal-Sorten, die den Absatz erschwerten, allmählich verschwinden sollten.
Das Jahr 1926 stand im Zeichen des 25-jährigen Vereinsjubiläums. Gefeiert wurde dieses Fest am 19. März im Saale der Gastwirtschaft zum "Fränkischen Hof“
Dem Kahltalboten vom 20. März war zu entnehmen, dass eine große Anzahl von Gratulanten dem Obstbauverein Alzenau alles Gute wünschte. Der langjährige Schriftführer des Vereins, Herr Ignaz Götz, gab in seiner Festrede einen ausführlichen Bericht von der Tätigkeit des Vereins in den vergangenen 25 Jahren. In der nun folgenden Zeit, so konnten wir immer wieder aus den alten Protokollbüchern lesen, standen die Namen des 1. Vorsitzenden Peter J. Trageser und Bezirksbaumwart Gold im Mittelpunkt des Geschehens.
Beide standen den 0bstzüchtern stets mit Rat und Tat zur Verfügung. Nur so ist es zu erklären, dass die Mitglieder selbst in einer Zeit großer wirtschaftlicher Not dem Verein die Treue hielten.
Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges, der ganz Europa in namenloses Elend stürzte, begann auch wieder die Aufbauarbeit im 0bstbauverein. An der Spitze stand jetzt Herr Heinrich Reinhart und später Servatius Sattler. Bemerkenswert war nun, mit welcher Begeisterung die Arbeit fortgesetzt wurde. Baumspritzen wurden verliehen, Pflanzen und Saatgutbestellungen vorgenommen. Diese Aufbauarbeiten setzten sich dann unter dem Vorsitz von Herrn Karl Trageser fort.
lm Januar 1950 wurde Herr Franz Schubert zum Vorsitzenden gewählt. Zusammen mit dem neuen Kreisfachberater, Herr Martin Ledwa, begann auf dem Gebiet des Obstbaues eine Aufwärtsentwicklung, nicht nur im Verein, sondern im ganzen Landkreis Alzenau.
In dieser Zeit wurde auch die 0bstanlage auf dem Rupprich geschaffen, die in Zusammenarbeit mit der
Fachberatung 0bst- und Gartenbau, als Lehr- und Versuchsanlage, weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt wurde.
Zahlreiche Schnittkurse wurden unter fachlicher Führung abgehalten, Düngungs- und Pflanzenschutzversuche demonstrierten die Notwendigkeit dieser Pflegemaßnahmen. Besonders die bäuerliche Jugend proftierte von dieser Bildungsstätte, und konnte viele Erkenntnisse in ihren Betrieben übernehmen. Aus Spenden der Rupprichkursisten und der Bevölkerung von Alzenau konnte die Antoniusgrotte gebaut werden.
Fachliche Exkursionen führten die 0bstbaufreunde nach Holland, Italien und in die Schweiz, um dort den neuzeitlichen Obstbau zu studieren.
Ein zu dieser Zeit einmaliges Ereignis war das Apfelschmecken in Alzenau, das eindeutig die Qualität des heimischen 0bstes bestätigte. Viel zu schnell ging aber auch diese Blütezeit vorüber. Mit dem industriellen Aufschwung ließ das Interesse der Bevölkerung am 0bstbau sehr stark nach, denn sie hatten eine bessere Einnahmequelle gefunden. Die herkömmlichen Hochstämme zeigten sich bei den Pflegemaßnahmen und bei der Ernte viel zu arbeitsaufwendig. In Massen überschwemmte ausländisches Obst den deutschen Markt. Diese schwierige Situation überstanden nur die wenigen Betriebe, die sich auf modernen Obstbau umgestellt hatten.
Auch das Programm des Vereins hatte sich geändert. Aus dem Obstbauverein wurde ein Obst- und Gartenbauverein, der seinen Mitgliedern nun auch Ratschläge in allen Garten betreffenden Frage übermittelte.
Vorstand Franz Schubert organisierte Fahrten und Vereinsfeiern. Auch der Josefstag wurde zum festen
Bestandteil des Vereinsgeschehens. Erst eine längere Erkrankung des Vorsitzenden ließ die lebhafte Vereinstätigkeit nachlassen.
Am 8. Dezember 1968 übernahm Alois Schächtele den Vorsitz. Eine Wahl war erforderlich geworden, nachdem Franz Schubert sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellte. In Würdigung seiner Verdienste wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Gartenbaumeister Ludwig Heilmann wurde dann im November 1969 zum 1. Vorsitzenden gewählt. Zusammen mit Vorstandschaft und Ausschuss gelang es, nicht nur altbewährtes, wie die Fortsetzung der fachlichen Betreuung, sondern auch neue Impulse zu geben, die dem Wandel der Zeit gerecht wurden.
Anlass zu einer großen Festveranstaltung war die Feier zum 75-jährigen Bestehen des Obst- und Gartenbauvereins Alzenau. Diese fand vom 31.07. - 02.08.1976 mit buntem Programm auf dem Platz unterhalb der Burg statt. Schirmherr war Landrat Roland Eller, Festpräsident Bürgermeister Friedel Ritter.
Das Engagement und Fachwissen von Ludwig Heilmann war schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden, so kam folglich im Jahre 1970 auch der Vorsitz im Kreisverband des damaligen Landkreises Alzenau und ab 1977 auch Vorsitzender des neuen, erweiterten Kreisverbandes Aschaffenburg dazu. Diese Aufgabe führte er bis zum Jahre 1989 und wurde dann zum Dank für seine Verdienste zum Ehrenvorsitzenden des Kreisverbandes ernannt.
Die bewährte Vereinsarbeit wurde in den darauffolgenden Jahren fortgesetzt. Hinzu kam im Oktober 1978 die Einführung eins Erntedankfests, verbunden mit einer sehenswerten 0bst und Gemüseausstellung die den Dank für eine gute Ernte zum Ausdruck bringen sollte. Leider konnte nach einigen Jahren diese Feier wegen des doch enormen Arbeitsaufwandes nicht mehr durchgeführt werden. Man beschränkte sich in Zukunft als Erntedank auf das Schmücken der Pfarrkirche am Erntedanktaq.
Ein nachahmenswertes Beispiel war auch die Aufstellung von 7 Ruhebänken im Bereich "Boden" zwischen Alzenau und Kälberau durch den Verein.
Bei all dem vielfältigen Vereinsgeschehen wurde ein Wunsch insbesondere des 1. Vorsitzenden nicht aus den Augen verloren und zwar das Anlegen eines Kräutergartens"
Sinn und Zweck sollte es sein eine Vielzahl von Heil- und Gewürzkräutern anzupflanzen um den Mitgliedern und Gartenfreunden Information über die Heilwirkung dieser oft schon vergessenen Kräuter zu geben.
Mit ein Grund war auch, dass viele Menschen heute gesundheitsbewusster geworden sind und mehr noch als vor Jahren den heilenden Kräften der Natur vertrauen.
Der Realisierung dieser Aufgabe ging zunächst eine vergebliche Suche nach einem dafür geeigneten Grundstück voraus. Erst durch das Entgegenkommen des Ehrenbürgers der Stadt Alzenau Otto Staab welcher uns eine Fläche in der "Breiten Wiese" pachtweise überließ, konnte aus dem Wunsch Wirklichkeit werden.
In vielen freiwilligen Arbeitsstunden wurde nun aus dem Wiesengrundstück ein Garten mit Kräuterbeeten, eine Blumenwiese und einem kleinen Gartenhaus. Nach entsprechender Bepflanzung der einzelnen Beete und Einzäunung des Geländes wurde dann an Maria Himmelfahrt des Jahres 1989 die Anlage, verbunden mit einem kleinen Fest eingeweiht.
In der Jahreshauptversammlung 1993 legte dann der 1.Vorsitzende Ludwig Heilmann nach 23 Jahren vorbildlicher Vereinsführung sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder.
Für seine besonderen Verdienste wurde er einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Sein Nachfolger wurde Hermann Huth, der aber dann aus familiären Erwägungen dieses Amt nur wenige Monate bekleidete. Der Vereinsvorsitz wurde vom 2. Vorsitzenden Hans Schneider übernommen und vorbildlich weitergeführt.
Die nun folgenden Jahre brachten jetzt neben der herkömmlichen Vereinsarbeit zusätzliche Pflegearbeiten im neuen Kräutergarten. So ist zum Beispiel das Kräutergartenfest, das nun jedes Jahr im August gefeiert wird, längst zu einem Mittelpunkt geworden das von vielen Gartenfreunden gerne besucht wird. Dieses gilt ebenso für den "Tag der offenen Gartentür" der zur Information über allgemeine Gartenfragen einlädt.
Zu erwähnen wäre noch der Besuch von Schulklassen und Kindergartengruppen welche die Blütenpracht der Kräuter bestaunen oder auch bei der Aktion "Kinder pflanzen Blumen" mitmachen.
Die Jahreshauptversammlung im März 1997 brachte dann endlich die schon lange gewünschte und verjüngte Vereinsführung. Gewählt wurde Hans Schneider, jetzt zum 1. Vorsitzenden, zur Seite Herbert Sittinger sowie weitere jüngere Kräfte die nun als sogenanntes Führungsteam fungieren. Die neue Führungsmannschaft konnte nun die vielfältigen Vereinsaufgaben besser bewältigen und das war auch dringend notwendig, denn der Verein war inzwischen auf über 300 Mitglieder angewachsen.
Neben der Fortführung der Winter- und Sommerschnittkurse wurden jetzt auch Fachvorträge über Gesundheit und Ernährung angeboten.
Auch wurden wieder Lehr und Ausflugsfahrten zu besonderen Anlässen und Sehenswürdigkeiten organisiert und durchgeführt. Die fachliche Beratung und Information werden weiterhin vom Ehrenvorsitzenden Ludwig Heilmann übernommen. Stets prägen die Schwerpunktprogramme des Bayrischen Landesverbandes wie zum Beispiel der "Garten als Lebensraum" oder "Gärtnern im Einklang mit der Natur " die jährlichen Vortragsreihen.
Dies bedeutet, dass mehr noch als vor Jahren die Vereinsmitglieder dazu angehalten werden, ihre Gärten naturgemäß zu pflegen, das heißt umweltschonenden Pflanzenschutz und bedarfsgerechte Düngung der Gartengewächse zu betreiben. Aus Sorge um den Erhalt alter 0bstsorten hat der 0bst- und Gartenbauverein noch eine weitere Aufgabe übernommen, er betreut nämlich eine städtische Streuobstwiese in der Flurabteilung "Prischoß" mit 96 Stück 0bstbäumen. Inzwischen werden hier jetzt auch Schnittkurse abgehalten
Hoffen wir nun, dass die guten Ansätze im Vereinsgeschehen auch weiterhin Früchte erbringen, die allen Gartenfreunden zugutekommen.
Ludwig Heilmann
Vereinschronik ab 2001
OGV Alzenau
Herbert Sittinger
Waldstr. 17
63755 Alzenau
© Obst und Gartenbauverein Alzenau e.V.

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